Changes for Women: ein Verein hilft ungewollt Schwangeren

Changes for Women ist ein Verein, der seit Dezember 2018 in Wien über Schwangerschaftsabbrüche informiert und ungewollt Schwangere in Notlagen auch finanziell zur Seite steht. Sie arbeiten in engem Kontakt mit Beratungsstellen und helfen so niederschwellig all jenen, die vom System alleingelassen werden. Wir haben mit ihnen über den finanziellen Druck von ungewollt Schwangeren, die Fristenlösung und die größten Schwierigkeiten in ihrer Arbeit gesprochen.

Ihr habt euch als Verein das Ziel gesetzt, über Schwangerschaftsabbrüche und deren Finanzierungsmöglichkeiten in Österreich zu informieren und ungewollt Schwangere finanziell zu unterstützen. Was genau macht ihr und warum?

Wir unterstützen ungewollt Schwangere in Notlagen bei der Finanzierung einer Abtreibung in Österreich. Das geht von zinslosen Darlehen über die Anreisekosten bis hin zu der Kostenübernahme des gesamten Eingriffs. Dazu sammeln wir laufend Spenden, da wir als gemeinnütziger Verein auf ehrenamtlicher Basis agieren. Außerdem wollen wir über unsere Website und Social-Media niederschwelligen Zugang zu Informationen rund um das Thema bieten. Der Grund unseres Engagements liegt in der Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Österreich und dem damit verbundenen finanziellen Druck auf Betroffene, die die Kosten zwischen 300 bis 1000 Euro zur Gänze selbst tragen müssen.

In Österreich beruft man sich gerne auf die Fristenlösung. Was hält ihr von der gegenwärtigen Regelung?

Schwangerschaftsabbrüche dürfen nicht im Strafgesetzbuch geregelt werden. Das ist unsere Meinung! Ungewollte Schwangerschaften sind ein medizinischer Notfall und müssen als solche behandelt und von der Krankenkasse übernommen werden. Um den Zugang für alle Betroffenen gewährleisten zu können, bedarf es einer Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und somit deren längst ausstehende Entkriminalisierung. Eine liberale Handhabe führt erwiesenermaßen zum Sinken der Zahl von Abbrüchen.

Verein Changes for Women

Wie sieht eure Unterstützung konkret aus und wer kann sich an euch wenden?

Grundsätzlich kann sich jede ungewollt schwangere Person, für die ein anstehender Abbruch eine zu große finanzielle Belastung darstellt, per Mail bei uns melden. Es gibt die Möglichkeit zinsloser Darlehen, Teilkostenübernahmen oder wenn notwendig auch komplette Kostenübernahmen. Wir bieten auch Unterstützung bei benötigter Übersetzung oder Anreisekosten an. Da wir bisher nur mit Kliniken in Wien zusammenarbeiten und sich unsere Tätigkeit auf Österreich beschränkt, war das bisher noch nicht der Fall.

Wer meldet sich bei euch?

Das ist ganz unterschiedlich. Von Alleinerziehenden in Karenz über Paare, die durch Covid ihre Arbeit verloren haben und in der aktuellen Situation kein weiteres Kind ernähren können bis hin zu Jugendlichen, bei denen das Verhütungsmittel versagt hat oder Obdachlosen, die durch eine Vergewaltigung schwanger wurden. Jedes Telefonat und somit jede Geschichte sind wirklich sehr individuell. Was allen Betroffenen gemein ist: dass sie ihre Entscheidung sehr bewusst und reflektiert getroffen haben.

Was sind die größten Schwierigkeiten bei eurer Arbeit?

Einerseits  die Zeit, da ein Abbruch in Österreich nur bis zum Ende des dritten Schwangerschaftsmonats zulässig und straffrei ist. Andererseits gibt es manchmal sprachliche Hürden oder Personen bräuchten auch bei anderen Themen weiterführende Beratung. Dann vermitteln wir an kompetente Beratungsstellen.

Stellen wir uns eine ideale Welt vor: Wie würde die Versorgung einer Person aussehen, die ungewollt schwanger ist?

In der idealen Welt wäre das Thema Abtreibung kein Tabu und schon gar keine Straftat. Das Wichtigste für ungewollt Schwangere ist, dass sie keine Angst vor Stigmatisierung haben müssen und die Menschen, denen sie sich öffnen, ihnen wohlwollend gegenübertreten. Es braucht niederschwelligen Zugang zu sachlicher Information und für diejenigen, die Bedarf haben, freiwillige und ergebnisoffene Beratung. Jedenfalls muss der Schwangerschaftsabbruch gänzlich aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden und stattdessen als Kassenleistung in allen öffentlichen Spitälern zugänglich gemacht werden. Auch für in Österreich nicht- versicherte Personen. Im Sinne umfangreicher Selbstbestimmung wäre – angelehnt an das Berliner Modell – auch eine Kostenübernahme von Verhütungsmitteln nach Wahl wünschenswert.

Changes for Women arbeiten völlig unabhängig und ehrenamtlich. Ihre Arbeit ist wichtig, um ungewollt Schwangeren die Versorgung zu ermöglichen, die sie brauchen. Weitere Infos findet ihr auf ihrer Homepage, ihrer Facebook-Seite und ihrem Instagram-Kanal. Ihr wollt den Verein finanziell unterstützen? Hier findet ihr alle notwendigen Informationen!

About The Author


Sophie

Ausgebildete Sexualpädagogin, Studium der Gender Studies. Sophie beschäftigt sich mit Themen wie Bodyimage, Sex und Geschlechtergleichstellung.