Let´s talk about: Endometriose

Die heutige Ausgabe von „Let´s talk about“ beschäftigt sich mit der Krankheit Endometriose. Endometriose ist eine chronische Erkrankung, an denen jede 10. Frau* erkrankt und die unsagbare Schmerzen und Langzeitfolgen mit sich bringt. Viel weiß die Wissenschaft aber noch nicht über Endometriose. Was wisst ihr über die Krankheit?

Endo what?

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die bei Personen mit Gebärmutter auftritt. Dabei tritt Gewebe, das Gebärmutterschleimhaut stark ähnelt, an anderen Stellen im Körper auf – dort wo es eigentlich nicht hingehört. Dieses Gewebe wird auch von Hormonen gesteuert und unterliegt auch dem Zyklus. Problematisch ist, dass diese Zellen Blutungen auslösen können. Das Blut kann aber nicht wie in der Gebärmutter auf normalem Weg abfließen, wodurch Zysten, Verwachsungen und Entzündungen entstehen können.

1 von 10 Frauen*

Endometriose ist eine häufige Erkrankung; etwa jede 10 Frau* ist betroffen. EVA, die Endometriose Vereinigung Austria, spricht sogar von der zweithäufigsten gutartigen Frauen*erkrankung (nach Myomen). Laut Statistik sind in Deutschland ca. 10 Millionen und in Österreich hunderttausende Frauen* betroffen.

5 Fakten zu Endometriose

  1. Es dauert oft sehr lange, bis die Diagnose Endometriose gestellt wird. Im Schnitt bis zu neun Jahren!
  2. Wer an Endometriose leidet, hat oft sehr starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex, beim aufs Klo gehen, bei gynäkologischen Untersuchungen etc. etc.
  3. Endometriose führt oft zu Unfruchtbarkeit.
  4. Es wird häufiger eine Fehldiagnose gestellt als die richtige Diagnose. Fehldiagnosen können beispielsweise PMS, also Prämenstruelles Syndrom, sein oder Entzündungen der Eierstöcke.
  5. Endometriose ist nicht heilbar, da sie eine chronische Erkrankung ist. Dennoch können z.B. operative Eingriffe, bei denen krankes Gewebe entfernt wird, die Krankheit eindämmen.

Unbekannte Frauen*krankheit: Zufall oder Gender Bias?

An Endometriose erkranken in Österreich ungefähr genauso viele Personen wie an Diabetes. Let this sink in! Und wo bleibt bitte ein Aufschrei, dass Endometriose genauso eine „Volkskrankheit“ ist? Wo bleibt die mit maximalen Mitteln finanzierte Forschung zum Thema? Bis dato ist die Forschungslage dazu mangelhaft, häufige Fehldiagnosen prägen das Bild und Patient*innen wird oft einfach nicht geglaubt, wie stark ihre* Schmerzen sind.

Ist das alles Zufall? Eher nicht. Stattdessen ordnet sich dieser Diskurs in die jahrhundertealte Tradition patriarchaler Auslöschung weiblicher* Körper und somit auch Erkrankungen des Frauen*körpers ein. Das hat zur Folge, dass Körper abseits der männlichen* Norm abgewertet und unsichtbar gemacht werden. Und, wie wir am Beispiel von Endometriose sehen, auch medizinisches Wissen verloren geht. All das geschieht auf Kosten von Patient*innen, die jahrelang auf die richtige Diagnose warten und tagtäglich große Schmerzen ertragen müssen.

Filmprojekt Nicht die Regel

Um das Bewusstsein für dieser Krankheit – auch innerhalb der Ärzt*innenschaft – zu schärfen, hat eine Gruppe von Frauen*, die von Endometriose betroffen sind, ein Projekt gestartet. In Nicht die Regel erzählen sie* von ihrem Leben mit Endometriose, den Beschwerden, Therapieformen und Irrwegen, bis sie* eine Diagnose erhalten. Zur Projektfinanzierung wurde ein Crowdfunding eingerichtet. Hier das Crowdfunding-Video zum Dokumentarfilm:

Endometriose bestimmt tagtäglich das Leben von Millionen von Frauen* auf der ganzen Welt und trotzdem wissen wir noch viel zu wenig über diese Krankheit. Damit die Krankheit besser erforscht werden kann und der Leidensweg der Patient*innen kürzer ist, braucht das Thema Aufmerksamkeit und Geld – am besten von beidem sehr viel.

Wenn ihr euch weiter mit dem Thema beschäftigen wollt, haben wir hier einige Vorschläge für euch:

Die Serie Let´s talk about greift ein spezifisches Thema auf und beleuchtet es aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Bisher sind Beiträge zu den Themen Sexuelle Bildung, Tamponsteuer, Privilegien und Konsens erschienen.

Foto von Polina Zimmerman von Pexels

About The Author


Sophie

Ausgebildete Sexualpädagogin, Studium der Gender Studies. Sophie beschäftigt sich mit Themen wie Bodyimage, Sex und Geschlechtergleichstellung.